Autor: J. Ctrnacty, Gründer und Eigentümer des Krisenvorsorgeshops Sicherstadt – www.sicherstadt.de

  .

Die Sonne ist wichtig, die Sonne ist gut. Ohne Sonne gebe es natürlich kein Leben auf der Erde. Obwohl – zusammen mit dem Licht und der Wärme beliefert uns die Sonne auch mit einigen anderen Sachen, die wir nicht so sehr brauchen.  Zum Beispiel mit geladenen Plasma-Teilchen, die die Sonne ziemlich regelmäßig im Form gigantischer Eruptionen ins All schleudert. Solche Eruptionen (Sonnenstürme) erreichen die Erde relativ oft. Die meisten werden durch das Magnetfeld der Erde abgeschirmt und verursachen höchstens schönes Polarlicht, das wir irgendwo im Kanadischen oder Norwegischen Nachthimmel bewundern können. Ab und zu ist so ein Sturm aber viel zu stark um abgeschirmt zu werden und die geladenen Teilchen gelingen in die Erdatmosphäre. Dann passiert etwas mehr als nur Polarlicht.

 .

Der bisher stärkste Sturm in der bekannten Historie fand am 1. September 1859 statt. Die Erdatmosphäre war voll von geladenen Partikeln und das Polarlicht war bis nach Kuba sichtbar. Der Sturm hat das zu dieser Zeit schon weltweit installierte Telegraphennetz schwer beschädigt und zum großen Teil außer Betrieb gesetzt. Die Schäden waren aber doch nicht verheerend – die Kommunikation ist für eine Weile ausgefallen, ansonsten lief aber alles wie übrig.

  .

Heute wäre es natürlich anders. Ein Sturm dieser Stärke könnte unsere Strom- und Kommunikationsnetzte weltweit außer Gefecht setzen. Was so ein  (viel schwächerer)  Sturm in einem entwickelten Land alles ausrichten kann, konnten wir z.B. 1989 zu spüren bekommen. Damals traf ein mittelstarker Sturm einige Gebiete von Kanada. Die Folgen: Die ganze Provinz Quebec lahmgelegt, 6 Millionen Menschen betroffen. Kein Licht, eingeschränkte Kommunikation, Verkehrskollaps. Und das alles war 1989. Heute ist unsere Strom- und Internetabhängigkeit schon wieder auf einem ganz anderen Niveau. Es wurde schon sehr viel zu den möglichen Folgen eines flächendecken Stromausfalles geforscht und gesagt. Nennen wir hier wenigstens den Schluss einer umfassenden Bundestag-Analyse aus 2011:

  .

…bereits nach wenigen Tagen ist im betroffenen Gebiet die flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit (lebens)notwendigen Gütern und Dienstleistungen nicht mehr sicherzustellen. Die öffentliche Sicherheit ist gefährdet, der grundsätzlich verankerten Schutzpflicht für Leib und Leben seiner Bürger kann der Staat nicht mehr gerecht werden. Träte dieser Fall  ein, kämen die dadurch ausgelösten Folgen einer nationalen Katastrophe gleich. Diese wäre selbst durch eine Mobilisierung aller internen und externen Kräfte und Ressourcen nicht „beherrschbar“, allenfalls zu mildern.” 

  .

Im Juli 2012 hat uns ein Sonnensturm nur knapp verfehlt, der mindestens so stark war als der im Jahr 1859 (siehe den SPIEGEL-Artikel HIER). Wir haben Glück gehabt, seitdem ist nichts passiert. Wie lange aber diese Ruhe dauert, das wissen wir nicht. Wahrscheinlich jahrelang, hoffentlich jahrzehntelang. Sicher ist nur eine Sache – die Frage ist nicht ob, sondern wann.

   .

Also, wir haben uns etwas über eine mögliche Ursache eines großflächigen Stromausfalls gesagt. Was hat das Ganze aber mit irgendwelchem Dosengericht zu tun? Na ja, ein Sonnensturm – und der daraus resultierende mögliche Stromausfall – sind an sich kein „Ende der Welt“. Selbst der stärkste Sonnensturm ist und bleibt nur eine atmosphärische Störung, die nach ein paar Stunden vergeht. Sie kann aber regionale oder globale Netzausfälle verursachen, da unsere Netzte einfach nicht robust genug sind. Und bis wir die Schaden wieder in Griff bekommen würden (verbrannte Leitungen und Trafos, beschädigte/verbrannte Kommunikationssatelliten, kein Internett), müssten wir für eine Weile autark funktionieren. Tagelang oder wochenlang, je nachdem. Je ruhiger und organisierter, desto besser. Und es ist verdammt viel einfacher ruhig zu bleiben, wenn man vom Tag 1 ab nicht auf fremde Hilfe angewiesen ist. Hat die Sonne Leitungen verbrannt, bleibt ALDI geschlossen und fließt gerade kein Wasser aus dem Hahn? Gut, dann öffnen wir doch mal eine Dose Beef Stroganoff aus unserem Vorrat, ziehen wir den Wasserfilter aus dem Keller und sehen wir zu, dass wir den Mitbürgern oder den Behörden helfen diesen  Schlamassel zu meistern.

   .

Kurz gesagt: Ein Stromausfall ist ein Paradebeispiel eines Notfalls, bei welchem ein kleiner 14-tägiger Vorrat einen riesigen Unterschied macht. Mit dem Vorrat bleibt so ein Blackout nur ein Problem, ohne den Vorrat kann er katastrophal werden. Also, wenn die Sonne morgen wieder scheint, kaufen Sie einfach ein paar Dosen mehr für Ihre Vorratskammer. Man weiß ja nie, wann es wieder sonnenstürmisch wird.

   .

Autor: J. Ctrnacty, Gründer und Eigentümer des Krisenvorsorgeshops Sicherstadt – www.sicherstadt.de